Ortschronik von Dannenbüttel

(Gekürzte Zusammenstellung aus Festschrift von 1988, Schulchronik des Lehrers Pieper, Aufzeichnungen des Gastwirts Adolf Klöweke, mündlichen Überlieferungen sowie eigenen Recherchen.)

Dannenbüttel wurde am 10. Juni 888 erstmals als „Dallangebudli“ beim Tausch von Besitztümern zwischen dem Kloster Fulda und dem Sachsenherzog Otto urkundlich erwähnt.
Eine zweite Erwähnung datiert vom 24. Januar 1007 in einer Urkunde von König Heinrich II. für das Jungfrauenstift Steterburg. In ihr werden 42 Orte erwähnt, unter anderem Herikesgebutle (Harxbüttel), Tichaldesgebutle (Ribbesbüttel) und Devangebutle (Dannenbüttel).

Es ist davon auszugehen, daß sich bereits zum Ende der Völkerwanderungszeit um 500 n. Chr. Menschen hier an den nordöstlichen Geestufern des Aller-Urstromtales angesiedelt hatten, wo sie von der Jagd und dem Fischfang leben konnten. Während des Mittelalters entstand dann die Siedlungsform des Rundlings, wie sie nur im deutsch-slawischen Grenzraum westlich und östlich der Saale und Elbe zu finden ist. So deuten hier Flurbezeichnungen wie „Croje“, „Brotje“, „Lortje“ und „Kohlaischen“ auf slawischen Einfluß hin, und in einem Schriftstück, welches 1876 in den Turmknopf der damals neu errichteten Schule gelegt wurde, heißt es, daß Dannenbüttel wendischen Ursprungs ist.

Der Ortsname setzt sich aus dem Grundwort „büttel“ und dem Bestimmungswort „dannen“ zusammen. Das Grundwort dürfte nach den bisherigen Recherchen vom altniederdeutschen bzw. nordgermanischen „bodal“ und der abgewandelten Form „gebudli“ abzuleiten sein und somit Begriffe wie Haus und Hof, Gebäudegruppe oder Siedlung bezeichnen. Die Herkunft und Bedeutung des Bestimmungswortes könnte vom Germanischen „dalam“ (Tal) stammen, ist aber nicht sicher.

Bis etwa 1350 waren hier 11 Vollhöfe entstanden. In den folgenden 250 Jahren siedelten sich, hauptsächlich an der heutigen Allerstraße im Bereich von der Straße „Im Winkel“ bis „Im Kothen“, die Köthner an. Es waren jeweils zehntpflichtige Lehnshöfe, die für den Grundherrn Hand- und Spanndienste zu leisten hatten. In Dannenbüttel gab es 1628 neun Vollhofstellen, vier Halbhofstellen und sechs Kothstellen. Nach dem Dreißigjährigen Kriege bis etwa 1820 siedelten sich Brinksitzer und danach An- und Abbauer an. Während Höfner und Köthner nur von der Landwirtschaft lebten, bestritten Brinksitzer sowie An- und Abbauer ihren Lebensunterhalt vorwiegend aus handwerklicher Tätigkeit, Tagelohn und etwas Landwirtschaft.

Nach der hier um 1530 begonnenen Reformation stifteten 1571 zwei ältere Dannenbütteler, Hans Bredefeldt und Andreas Brandes, eine Betglocke, die zunächst ihren Platz unter dem Scheunen-Schauer des H. Bredefeldt (jetziger Hof des Otto-Gerd Könecke) hatte und zu bestimmten Anlässen geläutet wurde. Nachdem 1650 eine Schulordnung erlassen worden war, wonach „die Unterthanen ihre Kinder solange zur Schule schicken sollen, bis sie lesen und den Katechismus mit Verstand beten können“, wurden die Kinder zunächst in einer Bauernstube unterrichtet. 1676 erhielt der Schulmeister Martin Persill zu Dannenbüttel in zwei Schreiben von der fürstlichen Kanzlei zu Celle einen Mahnbrief, weil die Gemeinde sich über dessen Imkerei beschwert hatte. Es dürfte sich hierbei um den ersten oder um einen der ersten Dannenbütteler Lehrer gehandelt haben.

1717 erhielt dieser Ort seine erste kleine Schule. Sie stand etwa an der Stelle „Im Winkel“,
dannenbuettel_um_1850

– Kartenausschnitt um 1850 –

wo 1988 der Gedenkstein zur 1100-Jahr-Feier aufgestellt und enthüllt wurde (Pfeil).

Es gab am 8. August 1872 in Dannenbüttel einen verheerenden Großbrand, bei dem etwa 36 Gebäude, darunter zehn Bauernhöfe, innerhalb weniger Stunden vernichtet wurden. Dazu konnte man in der Aller-Zeitung folgenden Bericht lesen:

  • Gifhorn, 8. Aug. In dem eine Stunde von hier entfernten Dorfe D a n n e n b ü t t e l brach heute Mittag halb 1 Uhr in dem Tietje’schen Hause (wie man sagt, im Backhause) Feuer aus, welches mit so furchtbarer Schnelligkeit um sich griff, daß schon halb 3 Uhr ca. 36 Gebäude, darunter 10 Bauernhöfe, niedergebrannt waren. Viel Vieh ist mit umgekommen, eine reiche Ernte vernichtet. Von den Abgebrannten haben Viele gering, Einige gar nicht versichert. Wohl mehr als das halbe Dorf ist abgebrannt und bietet den Anblick einer großen, traurigen Trümmerstätte; auch die schönen Obstbäume in den Grasgärten blieben nicht verschont und heute Abend 10 Uhr noch züngelten die Flammen an einzelnen empor.

Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Schule infolge gestiegener Bevölkerungszahl zu klein geworden war, wurde 1876 eine neue Schule mit Glockenturm errichtet und die alte abgerissen. Bei dem neuen Schulgebäude, das inzwischen von der Gemeinde Dannenbüttel verkauft wurde, handelt es sich um das jetzige Wohnhaus „Allerstraße 13“, von dem der Käufer den Glockenturm leider entfernt hat.

1956/57 wurde in Dannenbütterl zum dritten Mal eine Schule gebaut, und zwar in der jetzigen Schulstraße.

Die alte Betglocke von 1571, die im 1. Weltkrieg eingeschmolzen werden sollte, versah ihren Dienst außer in den beiden ersten Schulen auch auf dem Friedhof und später im Dorfgemeinschaftshaus als Ausstellungsstück. Derzeit befindet sie sich in der Obhut des Ortsbürgermeisters Horst Loos.

Bis 1964 wurde beim Kirchgang die Nicolaikirche in Gifhorn aufgesucht. Danach gab es bis 1994 für die Dannenbütteler die Thomaskirche in Neudorf-Platendorf. Anschließend wurden Gottesdienste im Dorfgemeinschaftshaus und nach der Schließung desselben in der Friedhofskapelle gefeiert.

Am 7. Sept. 1909 erfolgte die Einweihung des neu angelegten Friedhofes in Dannenbüttel.

Der eineinhalb Kilometer südostwärts von Dannenbüttel entfernt am Beverbach liegende Ortsteil Bevermühle, der 1791 unter der Bezeichnung „Dorf Bevermühle Amt Gifhorn“ erscheint, entstand etwa um 1500, als ein Hansmann dort eine Wassermühle errichtete. Der Betrieb dieser Mühle wurde 1942 eingestellt.

Das Gut Dannenbüttel war zunächst und zumindest ab 1489 ein Vollhof. Als 1607 der Besitzer Drewes Bredefeldt ohne männliche Nachkommen verstarb, fiel der Hof an den Landesherrn zurück. Im gleichen Jahr erhielt der Gifhorner Hauptmann Hironymus von Nieß wegen seiner treuen Dienste vom Herzog zu Braunschweig und Lüneburg den Bredefeldt’schen Hof als Gut zins- und steuerfrei. Als 1778 der pensionierte Major E. Daniel von Nieß seinen Wohnsitz von Dannenbüttel nach Gifhorn verlegt hatte, fiel das Gut wieder an das Amt (und somit an den Herzog) zurück.1795 wurde das Gut an den Gründer Platendorfs, den Oberamtsmann Plate aus Gifhorn, verkauft. Durch Erbschaft war es von 1799 bis 1856 im Lüning’schen Besitz, wurde danach von Ernst-August von Laffert käuflich erworben und ist nunmehr in 5. Generation im Eigentum derer von Laffert.

Hof und herrschaftliche Schäferei Dagebrück waren 1620 wüst gefallen. 1662 scheiterte eine Übernahme Dagebrücks durch die Dannenbütteler, da bei der Teilung keine Einigkeit erzielt werden konnte. Um 1670 gehörte beides noch zum Gut Dannenbüttel. Zum Ende des 19. Jahrhunderts erwarb Ökonomierat Gustav Rothbart aus Triangel Hof und ehemalige Schäferei Dagebrück. Der Hof mit dem 1906 errichteten Wohnhaus befindet sich noch heute im Familienbesitz.

So wie in der Vergangenheit der Ort durch verschiedenste Ereignisse mit Leben erfüllt war, so wird er sich im Auf und Ab der Zeit weiterentwickeln. Mögen ihm schlechte Zeiten erspart bleiben!

Dannenbüttel, 20.Dezember.2010; Hagen Schrader.