Die Dannenbütteler Schule seit 1876

… und einige Urkunden, die auf der Turmspitze in den Knauf der Wetterfahne gelegt worden waren: (Die damaliger Orthographie der Aufzeichnungen wurde in den Abschriften übernommen.)
Dannenbüttel, den 30. November 1876

Nachdem das alte Schulgebäude den Anforderungen der Zeit nicht mehr entsprach, wurde im Jahre 1876 das neue Schulgebäude errichtet, es wurde nun der Wunsch laut, daß in dem Thurmknopf eine Urkunde gelegt würde, welche etwas Geschichtliches über Dannenbüttel enthielt, und welches Villeicht für die Nachwelt Interessant sei.

Dannenbüttel wurde in 6ten Jahrhundert nach Chr Geb. von den Wenden angelegt, und reichte Anfangs nur bis zu der Stelle wo die Landstraße mit der Winkelstraße zusammen läuft, es hatte die Wendische Hufeisen Form und wenn der Ort gegenwärtig eine andere Form hat, so ist daß später durch Ausbau und Aufbau entstanden, der Ort hieß Anfangs Dannenbrook / Dannenbrauk /, und wurde später in daß Niedersächsiesche Wort büttel verwandelt der Name läßt sich von Tannen oder Dannen ableiten.

Die Aller welche damals daß ganze Allerthal fortwährend überfluthete, erzeugte einen großen Fischreichthum und auch gute Weide so daß die Einwohner von der Fischscherei und Viehzucht lebten. Ackerbau wurde nur wenig betrieben, daß Hauptkorn war die

…..  was angebauet wurde. In 7. Jahrhundert wurden die

Wenden welche sich bis vor Peine und Braunschweig ausgebreitet hatten durch Heinrich I. wieder vertrieben und über die Elbe zurückgedränget. Die von den Wenden verlassenen. wurden nun von den Stamme der Angelsachsen die jetzige Bevölkerung.

Von dieser Zeit bis zum 30Jährigen Kriege ist uns Geschichte wenig bekannt, der 30Jährige Krieg brach aber mit seinen Schrekkcen auch über Dannenbüttel herein indem Tyllische und Pappenheimsche Schaaren die Gegend plündernd und Brandschatzendt durchzogen, so daß es oft zur BlutFehde kam mit den Einwohnern, so wurde unter anderen Greueln auch in einen benachbarten Orte 10 Holksche Jäger welche in einer Bauerstube auf Stroh schliefen, von den Einwohnern ermordet. Aus der Zeit des 7Jährigen Krieges ist wenig bekannt destomehr aber aus der Franzosenzeit. Hart mitgenommen wurde Dannenbüttel im Jahre 1812 indem Theile der großen Armee welche nach Rußland zog Dannenbüttel berührte sodaß eine Stelle mit 20 bis 30 Mann Einquartierung belegt wurde.

In Frühling des Jahres 1813 zog daß Ekmühlsche Corps von der Elbe kommend nach Gifhorn und absorbirte fast alle Lebensmittel der Umliegenden Dörfer. Nach dem Pariser Frieden wurde Dannenbüttel von den Kriegsschrekken nicht mehr berührt. An Feuersbrünsten ist nach verschiedenen kleinen Feuersbrünsten der am 8. August 1872 zu erwähnen wo 10 Höfe eingeäschert wurden.

Dannenbüttel besteht im Jahre 1876 aus 41 Wohnhäusern und 300 Einwohner. Die Schulgemeinde besteht aus 31 Haushalten
1 Baron von Laffert                 8 Vollhöfner Grus
2 Gutsbesitzer Tiedge            9         „         Klöweke
3 Vollhöfner Gruß                  10 Halbhöfner Grußendorf
4         „        Prilop                 11        „          ……………
5         „        Schrader           12 ……………………
6         „        Brand                13 ……………………
7         „        Wehmann         14 Großköthner Köneke
24 Anbauer Stein
15 Köthner Grußendorf         25 Abbauer Kremeike
16    „          Niemann            26       „      Meier
17    „          Grußendorf        27       „      Dettmer
18    „          Dettmer             28       „      Müller
19 Brinksitzer    Tietge          29       „      Schulze
20     „                Heinecke     30       „      Zimmermann
21     „                Grußendorf  31       „      Lüdde
22     „                Hüttmann
23     „                Grußendorf

Die Schulgemeinde hat an Grundbesitz 1508 Hektaren Flächeninhalt muß zahlen an Grundsteuer 976 Mark an Klassensteuer 696 Mark an Gebäudesteuer 149 Mark an Einkommensteuer 180 an Gewerbesteuer 69 Mark.Der Schulvorstand besteht aus 5 Mitgliedern:Pastor Stalmann, Schullehrer Dralle, Christian Grußendorf, Friedrich Niemann, Christian Klöweke

Der Neubau der Schule ist zu 12000 Mark veranschlagt, sie wird aber nicht dafür fertig gebaut.

In jetziger Zeit wird viel über einen zwischen Rußland und der Türkei schwebenden Kriege gesprochen.

Die Ernte ist in diesemJahre eine schlechte Ernte gewesen.

Dannenbüttel den 30. November

Die Witterung                                                    Grußendorf Vorsteher.

war bei aufbringung                                            Grußendorf Beigeordneter

des Thurmknopfs ausgezeichnet

 

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Im Jahre 1876 den 30. November nach Christi, wurde der Knaupf und Wetterfahne auf der Schule zu Dannenbüttel Kreis Gifhorn aufgesetzt. Der Schulbau wurde im Winter 1876 verdeciedirt (beschlossen) und im Frühjahr desßelben Jahres angefangen aber die Vollendung wird erst im nächsten Jahre geschehen. Die meisten Arbeiten am Schulhause sind von den Gifhornern Provessionisten angefertigt, nur die Dach & Schieferdeckerarbeiten sind von den Dach & Schieferdeckermeister Th. Lehning aus Fallersleben ausgeführt. Es arbeiten daran: Th. Lehning Dach & Schieferdeckermeister aus Fallersleben, C. Lehning desgleichen aus dito, Th. Campe  Dach & Schieferdeckergesell aus Fallersleben, H. Bäthge, E. Freiberg, H. Weber I., C. Samann II., Lehrling C. Lauterbach sämtlich aus Fallersleben. Die Kupferschmiedearbeit hat der Kupferschmidt W. Heers aus Fallersleben angefertigt. Die SchloßerArbeit der Fahne & Helmstange der Schloßermeister H. Heers. Die Vergolder Arbeit der Maler H. Gruß angefertigt.

So geschrieben d. 29. November 1876 in Dannenbüttel.
Th. Lehning Gruß Schieferdachdecker

Die Schule zu Dannenbüttel zählte im Winter 1876/77  46 Kinder, dieselben empfingen in
folgenden Fächern Unterricht:

Unterstufe             Mittelstufe             Oberstufe
Religion                4 Stunden            5 Stunden            5 Stunden
Deutsch                11     „                  10    „                    8      „
Rechnen
Raumlehre            4      „                   4     „                    5      „
Zeichnen               —      „                   1     „                    2      „
Realien                 —      „                   6     „                    6      „
Singen                  1     „                    2     „                    2      „
Turnen
Handarbeit            —     „                    2     „                    2      „

 

 

Summa       U. 20 St.                    M. 30 St.                            O. 30 St.

Lehrer Wilhelm Dralle, Pensionierter Lehrer

Heinrich Winter,   Dannenbüttel, d. 30sten November 1876 .

Knaben:                                            Mädchen:
Rudolf Grußendorf                            Christine Brandt
Adolf Grußendorf                               Anna Wehmann
Christian Brandt                                Minna Meinecke
Gustav Gruß                                     D. Nolte
Friedrich Heineke                              A. Krantz
Ernst Meinecke                                 D. Müller

(Unterschriften dieser  Schüler u. Schülerinnen):

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kreishauptmann Eilers                       Gifhorn,  den 25. März 1873

Abgesandt  „ 28.    „        „

 

 

 

 

         Betrifft

 

die Abtrennung eines Grundstücks von der Köthnerstelle des Heinrich Dettmer in Dannenbüttel.

1 Anlage                                  Laut des s. p. r. gehorsamst

anngebogenen Kaufcontracts

Randvermarke                                                           hat der Haussohn Heinrich Gru-

…                                                                    ßendorf den bisherigen

Ertheilung der landespolizeilichen                Hofplatz des Köthners Dettmer

Genehmigung.                                                           In Dannenbüttel, auf welchem

                        Lüneburg 31/3 73                     bei dem im August v. J. (vorigen Jahres)

(Unterschriften)                                 stattgehabten Brande sämmt-

liche Gebäude eingeäschert

Die Königliche Landdrostei                sind, zum Zwecke der Errich-

Zu                                           tung einer Abbauerstelle

NO 1354:  Lüneburg                              angekauft und hat Käufer

Haussohn Hr Grußendorf benach-      um die regiminelle Geneh-

richtigt am 2/4 73                               migung zur Abtrennung der

…………..?…………..

…….…….?………….                                                  frag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

fraglichen Fläche von dem Dettmer’schen Kothhofe gebeten. Da der pp. Dettmer eine neue Hofstelle beim Dorfe Dannenbüttel auf seiner Koppel errichten will, so dürften Bedenken gegen die Abtrennung des Grundstücks nicht vorliegen und gebe Königliche Landdrostei ich gehorsamst anheim, die erbetene Genehmigung zu ertheilen.

 

 

 

Der Kreishauptmann Eilers

 

 

 

Zwei Schriftstücke aus dem Jahre 1604

 

 

Hoff Zur Zuwißen, das Carsten Lüdden der Dagebrügge Hoff Zur Dagebrügge, daruff Hans Loden von Kestorff gewohnet, und M. G. F. (Meines Gnädigsten Fürsten)

Unnd Herren Schaff gehütet, eingethan, Dergestalt das er 6 Jahrlang daruff wohnen, Unnd die wische im Barnbruch gelegen, Unnd etwa von 4 Fuder Haw; Item (ebenso) die beiden kleinen Kampe seines besten nutzen Unnd bebrauchen, Unnd alle Jahr 6 Fuder Heide im Görtze hawen, und die Hutt Unnd weiden, wie der Hoff deßen berechtigt, gebrauchen, ein Vierteill Jahr aber Zuvor wan dieße 6 Jahr baldt umb sein werden, solches alhie Vorm Ampte anmelden, Unnd sich bescheidts, ob er lenger alda geduldet werden konne, er holen, Unnd inmittelst alle Jahr Achte thaler dauon Zu Register geben, Sonsten weitres nicht beschwert werden solle Actum Giffhorn am tage philippi Jacobi 604 (1604). Unnd ist zu mehrer nachrichtung uff befelich des Haubtmanns Hartwich von Garßenbüttell ins Ambtbuch geschrieben worden, in beiwesendt Dietrich Freitags Ambtmans, Unnd Hansen Schlisteden Vogten.

(am tage philippi Jacobi = Sommersonnenwende bzw. 1. Mai)

(Zweites Schriftstück ohne Kopie des Originals)

Carsten  Zuwißen, demnach der Hoff zur Dagebrügge Lüdden woruff Valtin Hanßmann gewohnet,  gantz Unnd gar von loß gestorben, Unnd die notdurfft erfordert, Dannenbüttell das derselbe in sein Voriges wesendt, sintemall er gantz unnd gar Verwüstet, Unnd niedergewohnet, wiederumb gebracht worden möchte, das dem also nach, Derselbe Hoff, Von mir Hartwich Von Garßenbüttell, Haubtman uff Geffhorn, Carsten Lüdden Von Dannenbuttell, Von newen 6 Jahrlang, eingethan ist, also Unnd dergestaldt, das er denselben, in Hutt, Felde, Unnd graß mit allen seinen Pertinentien an wischen Unnd Acker, seines besten genutzen Unnd bebrauchen soll, Unnd mag, allermaßen derselbe Von dem Schaffmeister, Vor dieser Zeitt, genutzet Unnd gebraucht worden, Unnd soll darentgegen Dienst frei sitzen, Außerhalb das er die 1. Jahr, 8 thaler, die Folgende fünff Jahr, aber des Jahrs10 thaler, Jedesmall uff Michaelis in das Amptregisterr ohne allen Verzug geben soll, Unnd sein ihme Jerlich auß dem Gortze 6 Fuder Heide Zu hawen, nachgegeben, Jedoch aber das er die Jungen Loden schonen, Unnd sich hirinne Unnerweißlich halten, oder der 6 Fuder benohmen werden solle, Unnd das er sich in allen Puncten, wie einem getrewen Unterthanen eigenet Unnd gebühret, gehorsamblich verhalten auch in außgebung seiner Zinße unseumblich bezeigen, oder alßbaldt der abeKündigung gewertig sein, solle Unnd wolle, alß Hatt er dafür Hinrich Hanßman Zur Beuermühlen Unnd Hansen Büter Zu Bürgen gesetzet welche das abbeschriebenem allem getrew Unnd gehorsamslich nachgelebt werden solle, mit Hantachtung neben dem Carsten Lüdden angelobt, Zu Urkundt ist dem Carsten deßen dieser Schein gegeben, Unnd Zu mehrer nachrichtung, Von dem Haubt- Unnd Ambtman Untergeschrieben, auch ins Ambt buch verzeichnet worden, Actum Giffhorn den 16. May 604.(1604)

Nach der Gewerbesteuer-Rolle für das Jahr 1876 Littr. Bier No. 225 der ist Grußendorf in Dannenbüttel  für den Betrieb des Gewerbes als Hokenhandel  *)

Gastwirth: & Schmidt

mit dem jährlichen Steuerbetrage von 126 M. in Ansatz gekommen, welcher monatlich mit 1 M, 30 Pfg und zwar jedesmal vor Ablauf des 8. Monatstages oder in dem durch den Steurzettel bekannt zu machenden betreffenden Hebetermine abzuliefern ist.

Gifhorn, den 1. Fabruar 1876

*) Krämer, Kaufmann

Der Kreishauptmann Eilers

 

Dannenbüttel, 21.01.2011; Hagen Schrader