Chronik von Dannenbüttel ab 1500

Aus der Zeit um 1500 stammen die Fischereirechte der Vollhöfe. Die obere Grenze des Fischereirechts ist an der „Schnede“ im Kreuen. Hier liegt das sogenannte Kirchwasser. Es folgen dann die Aller abwärts: Beusmann, Gruß, Mackenrodt, Grußendorf, Lüdde, Plagge, von Laffert, Prilop, Lepehne, Harms, Wehmann, Schrader, dessen untere Grenze die Gemarkungsgrenze zwischen Dannenbüttel und Westerbeck ist.

1620 gab es in Dannenbüttel 19 Hofstellen.

1657 (nach Dr. H. Wesche aus Hillerse): „Hennig Kloffken clagt, daß die Grußische zu Dannenbüttel etwas unter seinen Zaun in den Hof gegraben; was es bedeute, könne er nicht wissen. – Die Grußische sagt, daß sie große Wehtage im Haupte gehabt, wehre ein Kerl, so das Evangelium vor den Thüren lieset zu ihr gekomen, ihr wurzeln, wolfshands-wurzeln wehren geben, sollte solche Kochen, davon drinken, und hernach in die Erde graben.“

Um 1660 hat Hanß Grußendorf, Köthner zu Dannenbüttel, den Jürgen Lüdde erschlagen und ist weggelaufen.

1717 wurde im Winkel die erste Schule gebaut. Vorher fand der Unterricht in einer Bauernstube statt.

Mitte April 1837 konnten Hochzeitsgäste wegen ungeheurer Schneemassen mit dem Wagen nicht nach Westerbeck zur Hochzeitsfeier fahren.

1848: Der Hof Beusmann, Haus Nr. 2 neben Prilop, brannte nieder und wurde gegenüber dem Gute wieder aufgebaut.

Um 1848 wurden die Straßen ‚Auf dem Sande’, ‚Bevermühler Straße’ und ‚Bergstraße’ angelegt. Sie hießen früher Sandstraße, Brodjegartenweg (auch Profeschonistenweg / Professionistenweg) und Friedhofstraße (vor 1909 Labasekenweg).

8. August 1872: Großbrand in Dannenbüttel, bei dem 10 Höfe dem Feuer zum Opfer fielen. Beim Wiederaufbau der Gebäude durften diese nicht mehr mit Strohdächern versehen werden.

1874 wurden die Kastanienbäume vor dem Dorfe (jetzt: Allerstraße, Einmündung Maschstraße) gepflanzt.

1876: Bau der zweiten Schule in Dannenbüttel.

1880: Noch bis Ende der 1880er Jahre wurden zweimal jährlich den alten Leuten im Dorfe das Abendmahl in der Schule gereicht. Dannenbüttel, zum Kreise, Inspektion und Parochie Gifhorn gehörend, hat etwa 330 Einwohner mit Dagebrück und Bevermühle. Die Bewohner sind meist lutherisch, nur zwei Katholiken sind vorhanden, Albert und Gottlieb Rink, welche jedoch davon keinen Gebrauch machen.

1880: Am 4. November wurde der Männergesangverein von Dannenbüttel gegründet.   1880 – 1890 Bau des Aller-Kanals zur Entlastung der Aller.

1880 – 1882 baute die Gemeinde ein Spritzenhaus und schaffte sich eine Feuerspritze an. Offizielle Gründung der freiwilligen Feuerwehr erfolgte erst 1911.

1886: Zu Ostern entfachten die Kinder alljährlich ein Osterfeuer. Dabei erlitt das Mädchen A. Müller durch einen brennenden „Strohwisch“ Verbrennungen im Gesicht.

1892: Schulausfälle vom 8. bis 12. Juli wegen Krankheit und Todesfall in der Familie des Lehrers.

1894: Am 2. Mai starb der Schüler Karl Rink im Alter von 10 Jahren.

1894: Schule am 2. und 3. November ausgesetzt wegen Hochzeit des Lehrers.

1897: Am 28. April entlud sich über Dannenbüttel ein schweres Gewitter. Hierbei wurde der 13-jährige Sohn des Abbauers Fr. Schulze auf dem Felde beim Kartoffelpflanzen vom Blitz erschlagen. Sein Vater wie auch ein Gespann befanden sich nur etwa 6 bis 8 Schritt entfernt und nahmen keinen Schaden.

1898: Am 10. November gab es in hier ein zu damaliger Zeit seltenes Fest der Eisernen Hochzeit. Das Jubelpaar, Heinrich und Dorothee Grußendorf, begaben sich in einem mit

Girlanden geschmückten Wagen und herausgeputzten Pferden und einem Troß von weiteren 30 Kutschen nach Gifhorn zur Nicolaikirche, um sich dort neu einsegnen zu lassen. Nach der Rückkehr wurde im Frömling’schen Saale mit etwa 130 Gästen gefeiert. Neben vielen anderen Geschenken erhielt das Paar auch eine Prachtbibel im Werte von  60 Mark vom Herzog von Cumberland, weil der Jubilar bei den Hannoverschen Jägern gedient hatte. Heinrich Grußendorf, der am 21. Dezember 1806 hier geboren ist, verheiratete sich am 10. November 1833 mit Dorothee Grußendorf, geboren am 3. Juni 1811.

Das eiserne Paar zählt also jetzt zusammen 179 Jahre. Dem Paar sind drei Kinder (Hr. Grußendorf, Rentier; Chr. Grußendorf, Brinksitzer und Frau Kranz, Halbhöfner), sieben Großkinder und 14 Urgroßkinder erblüht; es erfreut sich bislang der besten Gesundheit und täglich kann man sehen, wie beide noch leichte häusliche Arbeiten verrichten.

 (Anmerkung: Heinrich Grußendorf verstarb am 13.12.1899; seine Ehefrau Dorothee am 2.3.1901).

1899 wurden in den Lehmkuhlen zwei Karpfenteiche angelegt.

1900: Anfang Oktober wurde von der Gemeinde für die Schule für 370 Mark bei der         Firma Wechsung in Braunschweig ein Harmonium gekauft.

1901: Am 20. Februar betrug die Temperatur – 23° C.

1902: Im Dezember herrschte an etlichen Tagen Temperaturen von – 22° C.

1903: Die Schule war vom 29. April bis zum 4. Juni wegen Scharlachs geschlossen.

1904 gab es 68 Gehöfte mit Viehhaltung. (68 Pferde, 392 Kühe, 163 Schafe, 702 Schweine und 34 Ziegen).

1905: Im Herbst wurde ein Molkereigebäude an der Gifhorner Chaussee vor dem Dorfe gebaut.     (Anm.:Jetzt Allerstraße 32).

1906: Am Sonntagmittag des 19. August schlug ein Blitz in den Turm der Schule ein. Das glimmende Feuer hinter dem Turm wurde bald „mit Hülfe hiesiger Bewohner“ gelöscht. Der Schaden betrug 272,50 Mark. Vier Tage später wurde bei zwei schweren Gewittern die Telefonleitung zerstört.

1907: Durch einen defekten Schornstein entstand am 24. Januar bei dem Imker Th. Gruß ein Wohnhausbrand, der jedoch schnell gelöscht werden konnte, so daß nur geringer Schaden entstand.

Im Mai 1907 wurde am Schulgebäude ein Blitzableiter installiert.

Am 16. Mai 1907 wurde die 12-jährige Martha Gruß beim Maiblumenpflücken im Barnbruch von einer Kreuzotter gebissen. Sie konnte nach 10 Tagen wieder die Schule besuchen.

1908: Fr. Zang, der 12-jährige Sohn des Schweizers auf Dagebrück, fiel aus dem Birnbaum und starb nach etlichen Wochen an Gehirnerschütterung.

1909, 7. September: Einweihung des neu angelegten Friedhofes in Dannenbüttel durch Herrn Pastor Mirow mit den Bibelworten: „Beweise auch den Toten Deine Wohltat.“ Anschließend fand die erste Beerdigung statt. Beigesetzt wurde Ida Könecke, geb. Schulze, Ehefrau des Großköthners Otto Könecke.

1910: Am 29. Januar war der Komet „1910 a“ mit seinem gewaltigen Schweif von Westen nach Osten zu sehen.

Ca. 1910: Die Bewohner betreiben größtenteils Ackerbau und Viehzucht; dazu gibt es einige Gewerbetreibende wie z. B.
2 Tischler
1 Schuhmachermeister
1 Schmied
3 Schlachter
1 Rademacher
1 Gastwirt und
2 Hokenhändler (Betreiber von Krämerläden).
Einige Bewohner sind Imker und Pferdezüchter. Es gibt einen Schäfer. Schweine und Gänse werden unter den Eichen gehütet.

1911: Anfang April herrschten 7 bis 8 Grad Kälte.

1911: Schule vom 23. November bis zum 10. Dezember wegen Masern geschlossen.

1912: Am 5. Februar wurden – 23° C gemessen.

1913: Am 10. März wurde im Gemeindegarten (Anm.: Jetzt Einmündung Allerstraße / Gutsstraße) eine Eiche gepflanzt und ein Gedenkstein errichtet zur Erinnerung an die Befreiungskriege, des 25-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelm II und an die Versöhnung der Fürsten Hohenzollern und Welfen. Am 19. Oktober wurden auf der Masch anläßlich der Jahrhundertfeier der Völkerschlacht bei Leipzig drei Linden und elf Eichen gepflanzt, welche nach bedeutenden Frauen und Männer aus der Zeit der Befreiungskriege ihre Namen erhielten.

1914: Im September werden zum Kriegsdienst eingezogen: Beusmann, sen. und jun., Prilop, L. Schrader, Klöweke, Rudolf Grußendorf, Köthner Grußendorf, Christian Grußendorf, Theodor Gruß, Christian Werthmann, Hermann Aselmann und O. Wehmann.

1917: Während des 1. Weltkrieges sollte die enteignete Glocke der Schule eingeschmolzen werden. Einem Einspruch durch die Gemeinde wurde vom Provinzial-Konservator in Hannover am 30.7.1917 mit der Begründung stattgegeben, „daß die 1571 von Hans Meißner gegossene Glocke von 0,39 m unterem Durchmesser einen besonderen wissenschaftlichen und geschichtlichen Wert habe“. – Die Glocke trägt folgenden Schriftzug: „HANS BREDEFELDT, ANDREAS BRANDES, OLDERLVDE THO DANNENBVTTEL. 1571. HANS MEISSNER, V.D.M.I.E.“ (verbum Domini manet in eternum = Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit).

1918: Im Herbst starben mehrere Leute, Einwohner und Kriegsgefangene, an der Pandemie. Diese Grippe wurde auch „Spanische Krankeheit“ genannt. Das Grab eines an Grippe gestorbenen russischen Kriegsgefangenen ist auf dem Dannenbütteler Friedhof noch heute vorhanden.

1918: Nach Ausbruch der Revolution mußte das Kaiserbild aus der Schulstube entfernt werden. Der Gebrauch der alten Geschichtsbücher und das Prügeln wurden verboten. (Trotzdem gab es die Prügelstrafe in den Schulen noch mindestens bis in die 1950er Jahre).

1920: Am 16. November brannte hier zum ersten Male das elektrische Licht. Dagebrück und Bevermühle wurden im September 1921 an das Stromnetz angeschlossen.

1922: Zu Ostern wurde wie überall im Kreis Gifhorn die Grundschule eingerichtet. Sie umfaßte die unteren 4 Jahrgänge.

1922: Einweihung des Kriegerdenkmals am 26. November. Für die 16 gefallenen Dannenbütteler wurden einzelne Gedenksteine angefertigt.

1922/23 herrschte Inflation. Man bekam z. B. für 1 Goldmark 1 Billion Mark. Das Geld verlor von Stunde zu Stunde an Wert.

1923 wurde der Filterberg, ein Endmoränenhügel, beim Straßenbau abgetragen. Dabei wurden menschliche Schädel und Gebeine gefunden, so daß man hier eine alte Begräbnisstätte vermutete.

1926: Am 1. Oktober wurde der Leher Pieper nach 41 Dienstjahren an der Dannenbütteler Schule in den Ruhestand versetzt.

1937: Offizielle Gründung des Schützenvereins (obwohl es schon 1797 ein Schützenfest gab).

1939 hatte Dannenbüttel 386 Einwohner.

1945, Ende März, 13. Kalenderwoche: Eintreffen der aus Westpreußen geflüchteten Menschen.

1945: Am 11. April wurde Dannenbüttel von den Amerikanern besetzt. Es gab keine Kampfhandlungen. Der Zweite Weltkrieg war für Dannenbüttel zu Ende.

1945, 29. Dezember: Die Gastwirtin Mariechen Klöweke erhielt von der britischen Militärregierung die Erlaubnis, in ihrer Gaststätte an Sonnabenden und Sonntagen Tanzveranstaltungen abhalten zu dürfen, die spätestens um 22:00 Uhr beendet sein mußten:

1946: Neugründung des Sportvereins.

1948, 20. Juni: Währungsreform; Ablösung der Reichsmark durch die D-Mark. Jeder erhielt ein Kopfgeld in Höhe von 40,00 DM.

Ostern 1949: Brand des Beusmann’schen Hofes auf der Masch durch Blitzschlag.

Ende 1940 bis in die 60er Jahre: Entstehung der Siedlung „Filterberg“, auch ‚Grafenhausen’ genannt.

1956/57: Errichtung der Schule in der Schulstraße.

1958 Brand auf dem Hof Meier im Winkel.

1968 Gaststätte „Zum Beverbach“ eröffnet.

1971: Anschluß Dannenbüttels an das Wasserleitungsnetz.

1970er Jahre: Bau der Siedlung Kohlaischen.

1972, Mo., 13. November: Orkan; Stromausfall im Ort und Sturmschäden in den Wäldern.

Es gab in den 1970er Jahren vorübergehend drei Tankstellen in Dannenbüttel und die drei Gaststätten ‚Klöweke’, ‚Raststätte Allertal’ und ‚Zum Beverbach’. Die Gaststätte Klöweke erhielt nachweislich schon 1564 Krugrechte von Herzog Franz für den damaligen Wirt Bernd Timm.

Bis vor etwa 40 Jahren herrschte in Dannenbüttel die Sitte, dass am Pfingstmontag zwei Schulkinder mit einer Büchse von Haus zu Haus gingen, um Geld für die Armen zu sammeln. Noch jetzt ist die Volkssitte hier, dass zwei Kinder Pfingsten als sog. „Maikerl“ auskleiden mit Birkenreiser und auf den Kopf einen Blumenkranz setzen; sie gehen dann zusammen von Haus zu Haus, woselbst der „Maikerl“ einen Rundtanz läuft, wozu die Kinder jetzt ein Volkslied singen z. B. der Mai ist gekommen. Das alte Lied begann: Schnären, Bären, Brummerjaun etc.

 

17.1.1974 Abriß des Maschinenschuppens unter den Eichen, in dem die Dreschmaschine ihren Platz hatte.

1. 7.1974: Bildung der Einheitsgemeinde Sassenburg im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform aus den bis dahin selbständigen Dörfern Dannenbüttel, Grußenddorf, Neudorf-Platendorf, Stüde, Triangel und Westerbeck.

1987 Bau der Kanalisation, Pflasterung der Straßen der Ortsmitte und Bundesstraßen-Ausbau.

1988: 1100-Jahr-Feier.

Um 1995: Errichtung der Siedlung zwischen der Gartenstraße und dem Westerbecker Weg. Danach wurde das Gebiet ostwärts davon bis zur Bergstraße bebaut.

Dez. 2008: Wiedereröffnung der 2004 geschlossenen Gaststätte Klöweke nach Kauf durch Hans Koch als Restaurant ‚Zum Landhaus’ mit dem Pächter Giancarlo Cossu.

2009/10: Erstellung des Feuerwehrgerätehauses „auf der Masch unter den Eichen“ neben dem seit 2009 kulturdenkmalbezeichneten Kalthaus. Die Einweihung ist für den 13. August 2011 vorgesehen, pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Dannenbüttel.

zusammengetragen von Hagen Schrader – Dannenbüttel, 07. Februar 2011